Update: Scheinbar der richtige Moment für das Thema:
1. Gestern hat Microsoft Updates für sein Skydrive vorgestellt (wird damit zur realen Alternative für Dropbox mit immerhin 7GB Speicher onboard und Apps für mobile Geräte).
2. Und – big news – heute hat Google das seit Jahren gerüchteumwehte Google Drive vorgestellt: 5GB included, aber sehr günstige Upgradepreise (2,50$ für 25GB und nach vielen Schritten grade 50$ für ein Terrabyte). Hintergrund: Arstechnica und Google selbst. Achtung: Cbrueggenolte hat herausgefunden, dass Google sich in den Datenschutzbestimmungen das Recht sichert, die hochgeladenen Daten zu veröffentlichen und weiterzuverwerten – das erinnert an die frühen Facebook-Fauxpas und wird hoffentlich noch angepasst.
Einen aktuellen Preisvergleich findet man hier
Rechnet man Amazon mit dem älteren und corporate-orientierten S3 noch dazu sind damit alle großen Player im Rennen – und das Internet ist endlich da, wo man es vor drei Jahren hingedacht hat.
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Bei Datensicherheit kann man zwei Typen Menschen unterscheiden: Die Achwirdschonnicht und die Manndaswarwas. Ich vermute, dass 80% der Leute, die ich kenne ihre Daten nicht gesichert haben. Und zähle mich trotz etlicher Nächte, die ich mit der Restauration plötzlich defekter Festlatten zugebracht habe, auch noch oft dazu. Auf unterschiedlichen Anlässen habe ich mich jetzt wieder mit dem Thema befasst – und stelle hier die Antworten auf die Frage zusammen: Wann sind Backups sicher? Und: Welche Cloud-Backup-Dienste sind empfehlenswert?
- Eine Sicherung ist keine Sicherung. Festplatten gehen kaputt. Nicht immer in den ersten 2 Jahren, aber mit relativ sicher irgendwann. Wer dann keine 1:1 Kopie der Daten hat, die garantiert funktioniert, wird es richtig teuer und richtig ärgerlich.
- Man sollte das Backup gegenchecken (großes Problem der Bandlaufwerke) – die meisten IT Dienstleister können Stories aus erster Hand erzählen, wie wieder ein Kunde ein Backup herstellen wollte und klar wurde, dass die Sicherung über Jahre korrupt war.
- Man sollte das Backup nicht den selben Risiken aussetzen wie das Original. Damit sind eigentlich alle Lösungen mit externen Festplatten dahin. Ein Einbruch / Wasserschaden / Virus und Backup wie Original sind flöten.
Die solideste Variante im eigenen Haus wäre ein RAID-System (Daten werden automatisch so auf verschiedenen Platten abgelegt, dass immer mehrere Kopien wiederherstellbar sind). Die Konfiguration dieser Dinger ist aber recht kompliziert.
Eine Alternative wäre Drobo: ein relativ einfaches zu bedienendes Rahmensystem, in das normale Festplatten eingebaut werden. Daten werden automatisch auf den verschiedenen Platten verwaltet, Festplatten werden einfach dazugesteckt, wenn wieder Platz gebraucht wird. Der Preis ist mit rund 400€ (ohne Festplatten) aber nicht ohne. Klassische RAID-Systeme können günstiger sein – aber wirklich sicher ist das nicht (Stichwort: Wasserschaden).
Vor diesem Hintergrund scheint Online Backup eine ziemlich smarte Alternative zu sein. Backup in die Cloud klingt so interessant wie heikel: Die genannten Probleme werden dadurch gelöst. Aber wer will seine Daten schon auf Rechner irgendwelcher Großunternehmen ablegen? Wie gesagt ich habe recherchiert und auch geschaut wie sicher die Daten vor den Augen der Backupfirma sind.
Bei den aktuell interessanten Produkten lassen sich drei Zwecke unterscheiden:
1. Synchronisation eines fixen Ordners und Austausch von Projektdaten – Empfehlung: Dropbox
Hier heißt der Platzhirsch Dropbox. Auch wenn es beim Thema Datenschutz immer wieder Bedenken und kleine Lecks gab, hat sich der Dienst mit der Verbreitung auch professionalisiert und bleibt erste Wahl, um v.a. innerhalb von Teamprojekten Daten verfügbar zu machen. Alle Daten werden auf einen speziellen Ordner auf der eigenen Platte synchronisiert – das funktioniert recht gut. 2GB sind frei, dann folgen kostenpflichtige Pläne. Die Einbindung in mobile Plattformen ist ziemlich optimal. Insofern ist Dropbox auch erste Wahl, um einzelne Dateien auf iPhone, iPad, Windows7 oder Android-Smartphones verfügbar zu halten.
Mit verschiedenen Tricks lässt sichder Gratisspeicher erhöhen: 5GB über Bilduploads, bis 16 GB über eine Adwords-Kampagne, rund 1GB über die Dropbox-Features umwandeln 1 und 2.
Alternativen: box.net (hier gibt es immer mal wieder 50GB gratis) oder Pogoplug um das ganze zuhause einzurichten (verbindet eine externe Festplatte mit dem Internet, so dass man von außen mit vielen Geräten auf die Daten zugreifen kann)
2. Synchronisation aller Dateien auf vielen Endgeräten – Empfehlung: Sugarsync
Der beste war und ist: SugarSync. Keiner läuft so stabil, unmerklich, verlässlich und transparent. Alle Ordner werden ins Web synchronisiert und nach Wahl auch dorthin (Handys, PCs, Macs) wo man das gern hätte. Auf jedem Rechner ist jeder Ordner in sync – das spart viel Nerverei, grade wenn man mit mehr als einem PC arbeitet. Fotos können sehr entspannt vom iPhone hochgeladen werden und Dateien für offlinenutzung auf dem Smartphone gespeichert werden. Integration mit iPhone und Android-Apps, die die Daten weiterverarbeiten (und – Achtung Sync! – genau da wieder auf dem heimischen PC speichern, wo sie herkommen) funktionieren 1a. Datenschutztechnisch ist SugarSync einer der sichersten. 5GB sind frei.
3. Backup aller Daten eines Rechners sicher in der Cloud – Empfehlung: Crashplan
Erst vor kurzem habe ich entdeckt, dass es diese Produktsparte überhaupt gibt. Zentrales Kriterium: Die Dienste bieten “unlimited online backup”. Ja, unlimited. 2 Terrabyte sichern? Dropbox verrechnet für 100GB 200$ und für 1TB stolze 795$ pro Jahr. Sugarsync ist da etwas biliger – 100GB für 150$, 250GB für 250$ und 500GB für 400$ – aber wenn man sich Crashplan anschaut: 50$ / Jahr für soviel Speicher, wie man braucht. Das ist weniger als 1/10 der Konkurrenzdienste – und während die bei 1TB voll sind, kann man bei Crashplan weitersichern. Wo ist der Haken? Es geht um reines Backup. Zugriff von mobilen Geräten ist möglich aber nicht sehr ausgebaut, Crashplan ist nichts für Sync noch für Zusammenarbeit im Team. Reines Backup – aber das vom Feinsten.
Ich habe lange mit einem Techniker von Crashplan telefoniert: Die Sicherheitsaspekte scheinen wasserdicht. Die Verschlüsselung erfolgt noch auf dem eigenen Rechner mit einem military-grade 448Bit Schlüssel. Die verschlüsselten Daten werden dann über eine 128Bit verschlüsselte Leitung geschickt und vor Ort in Hochsicherheits-Datencentern eingelagert. Bei normaler Konfiguration haben die Mitarbeiter von Crashplan Zugriff auf den MasterKey – aber das kann man unterbinden, so dass tatsächlich nur die verschlüsselten Daten dort liegen und der Schlüssel nur bei einem selbst.
Besondere Features:
- Backup bei Freunden und Familie: Crashplan bietet nicht nur Backups online an (wie alle bisher genannten Konkurrenten), sondern auf allen möglichen Ziellaufwerken. Der Clou: Jeder, der sich ins Netz einwählen kann, kann potenziell Speicherplatz für das eigene Backup bereitstellen – die Daten, klarerweise, sind 448Bit verschlüsselt und damit unknackbar. Über die Software lassen sich diese Berechtigungen ziemlich einfach geben – und so kann man das eigene Backup aufteilen auf den Onlineservice, die beste Freundin und eine externe Festplatte. Übrigens kostet Crashplan nur Geld, wenn man den Onlineservice in Anspruch nehmen möchte.
- Seeding: Für rund 150$ kann man eine Festplatte bis 1TB einschicken (die Daten darauf sind schon 448Bit verschlüsselt), die dann direkt vor Ort eingespielt wird. Dieses Seeding spart einem die Warterei, bis das erste Backup umgesetzt ist. Das Seeding funktioniert dabei sowohl bei privaten Computern an anderen Orten (Freunde, Familie,…) wie beim Online Backup von Crashplan.
Alternative: Backblaze
Appendix
Das Rad dreht sich weiter – ganz aktuell sitzt Google wohl in den Startlöchern, um sein “Google Drive” zu launchen (zu Gerüchten und ersten Belegen).
Eine Übersicht der ganzen Backupdienste findet sich hier.