Apr 04

Es war alles ganz einfach gedacht: Die Daten sollten endlich vom PC auf den Mac, damit man mal alles im Zugriff hat. Die Umsetzung erstreckt sich jetzt über mehr als drei Tage. Ein Fallbericht mit Lösungsidee.

Dateisysteme

Drei Systeme greifen ineinander. Und das grosse Problem ist: Sie verstehen sich alle nicht so richtig. Windows auf der einen Seite mit FAT32 und dem neueren NTFS, Mac mit den verschiedenen Versionen seines HFS+-Dateisystems. Windows kann HFS+ nicht lesen, Mac kann NTFS zwar lesen, aber nicht schreiben (und auch beim Lesen stolpert der Finder schnell). Es bleibt als gemeinsamer Nenner FAT32, aber das unterstützt (1) nur Festplatten bis 32GB (größere können formatiert werden, bringen aber immer wieder Datenverlust mit sich) und (2) hat der der Finder auch seine Probleme, sauber zu kopieren. Das ist das Ausgangsdilemma.

Die Lösungsansätze:

1. bessere Kopierprogramme benutzen: muCommander, ForkLift, TeraCopy 

Um es vorwegzunehmen: Mac-Software, die besser kopiert als der Finder, gibt es nicht (falls doch: bitte in die Kommentare). Die Vorzeigealternativen muCommander und ForkLift scheitern in allen Lösungsversuchen. Auch komplexere Anwendungen des Terminal-Befehls cp, die deutlich stärker sind,  bringen wegen Problemen mit Umlauten im Dateinamen nicht wirklich zum Ziel. Falls es jemanden interessiert: Der beste Befehl bisher, zusammengebastelt von einem Forumsexperten, lautet:

1. cd /Volumes/FATDisk

2. for d in *; do echo “START $d”; cp -R ./”$d” /Volumes/HFSDisk; echo “DONE $d”; done

Schade. Eine einfache Lösung gibt es nicht.

Für Windows dagegen gibt es die herausragende Freeware TeraCopy: schneller und vor allem sicherer und stabiler kopiert keiner. Auch wenn Fehler auftauchen, wird stumm weiterkopiert. Am Ende erhält man dann eine Liste mit den einzelnen Dateien, bei denen Fehler aufgetreten sind. In Windows habe ich längst die Bordmittel mit Teracopy ersetzt (das sich automatisch öffnet, wenn man mit Drag&Drop kopiert). Dumm nur, dass Windows überhaupt keinen Zugriff auf HFS+ hat, damit bringt diese Lösung (noch) nicht viel.

1. Der Mac lernt NTFS, Windows lernt HFS+

MacDrive soll Windows dazu bringen, HFS+ zu verstehen. Die Idee wäre also: Eine externe Platte mit HFS+ formatieren und dann am PC mit MacDrive alle Daten daraufzuspielen. Bei dem Versuch zerschießt es mir meine 500GB iBook Studio, Datenverlust verhindert, aber Formatierung durch irreperablen Fehler im Dateisystem unausweichlich (bisher hat MacDrive immer gut funktioniert, aber man weiß nie). MacDrive ist relativ teuer, die Opensource-Variante HFSexplorer habe ich aber nie probiert.

Andersrum geht es auch: NTFS for Mac von Paragon soll den Mac NTFS schreiben lassen (kostenlose Alternative MacFuse, das Projekt eines Google Programmiers plus die NTFS-Erweiterung NTFS3G). Das Ergebnis bei mir: Ebenso ernüchternd. Seltsame Fehlermeldungen des Finders beim Kopieren grosser Datenmengen.

 2. PC zu Mac via Ethernet

Es ist die professionellste Variante und selbst für mich Netzwerkkenntnislosen machbar. Man steckt zwei Kabel ein (dank der cleverness neuer Macs braucht man nicht mehr das sonst obligatorische crossover Kabel, der Mac schaltet bei Bedarf einfach den Anschluss um). Dann folgt man den einschlägigen Anleitungen (etwa hier bei Apfeltalk oder hier, allerdings für ältere Versionen geschrieben, die Dialoge haben sich etwas verändert), installiert eventuell Sharity3 auf dem Mac, das die Freigabe zwischen Mac und PC weniger fehleranfällig machen soll und irgendwann finden sich dann das PC-Verzeichnis auf dem Mac, von dem man einfach rüberkopieren kann. Dass auch das bei mir nicht funktioniert hat, kann man wohl nur als Überkomplexität der beteiligten Daten interpretieren. Normalerweise, wurde mir versichert, ist das als Weg ziemlich sicher.

Auch hier kann man natürlich andersrum vorgehen: Den Mac auf dem PC verfügbar machen und dann mit PC-Mittel kopieren. Das bringt mehr, als man denkt und geht so: Die Grundeinstellungen, damit Mac und PC im selben Netzwerk sind, solltet ihr vom vorigen Abschnitt schon haben (selber Anfang der IP 192.168.0.***, am besten selber Arbeitsgruppenname, normalerweise ist das “MS WORKGROUP”). Die Mac-Freigaben werden dann über Einstellungen -> Sharing -> Filesharing eingestellt. Achtet darauf, dass unter “freigegebene Ordner” Euer öffentlicher Ordner auftaucht, für “Everyone” kurzfristig “Lesen und Schreiben” angestellt ist und falls nichts geht unter “Optionen” ein Häkchen bei “Dateien und Ordner über SMB bereitstellen” ist. Wie gesagt: Ich bin Laie, was das angeht, aber damit hat es funktioniert. Wenn alles gut geht, habt ihr in Arbeitsplatz -> Netzwerkumgebung in Windows jetzt das Verzeichnis des Mac mit Schreibrechten. Jetzt nur noch Teracopy (s. oben) installieren und fertig ist die Chose. Nach drei Tagen Vollzeitdilemmata mit den beschriebenen Lösungen scheint das der bestmögliche Weg zu sein.

 Kontrolle:

Nach der Arbeit sollte man in jedem Fall kontrollieren, ob alles geklappt hat. Mac bietet da mit dem Terminalbefehl diff eine Lösung an und hat in die Developer Tools den Datei- und Verzeichnisvergleichsdienst FileMerge integriert. Aus der Shareware-Ecke gibt es SmartSynchronize, Changes und FileSynchronization, alle mit einige Wochen lauffähigen Testversionen. Kostenlos und zum reinen Vergleich unschlagbar schnell und einfach: Diffmerge.

Letztendlich funktioniert hat das Ganze erst mit AJC Sync – das ich mir mal für Windows gekauft hatte. Das ist ein Werkzeug, um Verzeichnisse zu synchronisieren (blöderweise versteht es keine Umlaute, auch ein echtes Problem, aber hier nicht so wild, denn zumindest stimmt abgesehen von den Umlauten nachher die Vergleichsliste). Nachdem der Mac nach einer Stunde Schafferei abgestürzt war, habe ich also die Mac-Festplatte übers Netzwerk in den PC eingebunden und in AJC einfach als zweites Verzeichnis definiert. Funktionierte problemlos. Scheinbar habe ich endlich meine ganzen Daten auf dem Mac

Das Problem nach so einer Odyssee durch die Dateisysteme: Man glaubt es nicht richtig, dass jetzt wirklich alles im Lot ist.


Leave a Reply