Vor einigen Jahren wurden Stimmen laut, die proklamiert haben, es gäbe in Zukunft nur noch das digitale Fernsehen, TV on demand, jeder schaut seinen privaten Kanal, der nach seinem Geschmack zusammengestückt ist. Pustekuchen. Denkt man dann. Aber es gibt etliche Entwicklungen, was die neue Generation Fernsehen angeht, die man sich einmal anschauen sollte. Kosten tun sie alle nichts.
Variante 1: das Clipfernsehen (YouTube und Söhne) Mit YouTube hat es angefangen, Kommentare dazu erübrigen sich, das kennt wohl jeder. Die Alternativen sind jedoch so visionär wie unbekannt: Viddler mit zeitspezifischen Kommentaren und Videokapiteln, Sevenload und MyVideo mit dem deutschen Videoangebot, veoh! und stage6 bieten auch längere Filme in teilweise herausragender Auflösung. Wer sich mal einen Überblick verschaffen will: TechCrunch hat ein gutes Dutzend Videodienste in einem Vergleich zusammengefasst. Gebündelt wird das Ganze auf Oberflächen wie Miro (ehemals DemocracyPlayer). Die OpenSource-Oberfläche bietet Zugang zu einer ganzen Reihe von Videodiensten, die clever vom eigenen PC aus durchsucht und einzelne Themen abonniert werden können, einzelne Videos werden runtergeladen, organisiert und weitergeleitet. Sinnvoll! bittekunst.de bietet eine Video-Metasuche an, mit der auf einen Schlag eine ganze Reihe Videoclipdienste durchsucht werden können.
Variante 2: ip.tv (Joost und Co.) Es war die größte Erwartungshaltung 2006: Der Napster- und Skype-Erfinder Niklas Zennström erfindet Joost! und zerschlägt damit nach Musik- und Telefonindustrie auch die Fernsehlandschaft. Pustekuchen. Nach großem Tatam gab es schlechte MTV-Clips und langweilige Dokumentationen zu sehen. Das Feld hat sich gewandelt: Joost ist etwas besser geworden, vor allem aber gab es sofort plagiierende Konkurrenten, die ihrerseits mit sinnvolleren Konzepten ankamen: Babelgum mit einem künstlerischen Anspruch (vor allem was die Übertragung von Kurzfilmen angeht, die auf Festivals gelaufen sind) und Zattoo mit aufwändigen Senderpartnerschaften (CNN, Canal24, SF.info, Al Jazeera etc.).
Variante 3: Aufnehmen lassen (onlinetvrecorder)
Leute, das war wirklich Zeit: Angezeigt wird eine Programmzeitschrift mit allen möglichen Sendern. Man klickt auf eine Sendung und die Sendung wird vorgemerkt. Nachdem die Sendung gelaufen ist, kann man sie runterladen. Alles umsonst. Wenn man auf die rund eine Stunde Wartezeit für den Download verzichten will, muss man sich für 25cent pro Sendung einen vorderen Listenplatz erkaufen. Aber das ist wohl verschmerzbar. Danke, onlinetvrecorder.com, so einfach war Fernsehen noch nie. Das Ganze gilt bisher als rechtlich legal, weil nur Sendungen angesehen werden können, die man vorher in Auftrag gegeben hat: Ein Decoder konvertiert die verschlüsselten otrkey-Dateien, die man statt der Sendung bekommt (oder über Dienste wie otrkeyfinder.de, otrkey.com oder otr24.de findet) in abspielbare WMV-Dateien. Das macht der Decoder aber nur dann, wenn man (oder einer von fünf vorher festgelegten Freunden) die Sendung vorher programmiert hat.
Variante 4: Podcasts und VLogs
In der Podcastwelt geht es vor allem um Radio. Aber auch das lohnt sich: Alle Sender haben mittlerweile sehr gute Sendungen als Podcast, das heißt: zum runterladen und später hören. Um sie zu finden, bieten sich spezielle Dienste: podcast.de ist der große der Branche, dopcast und podster sind auch bekannt, aber meiner Ansicht nach unterlegen, für den internationalen Bereich ist odeo zu empfehlen und natürlich das ursprüngliche Podcast-Verzeichnis von Apple, immer noch sehr, sehr gut, der iTunes Store (für den man soweit ich weiß das langsame und sowieso schlecht programmierte iTunes installieren muss). Speziellere Tipps bekommt man bei podix einem Magazin mit kleinen Artikeln zu ausgewählten Podcasts. Und alle Angebote der öffentlich-rechtlichen stehen auf einer speziellen Podcast-Seite der ARD.
Update:
Für Nachrichtensucher habe ich eine besondere Perle gefunden: Auf livestation.com werden die Livestream der wichtigsten Nachrichtensender weltweit superleicht zugänglich: BBC und CBB sind nicht nur in mit lokalen Kanälen, sondern auch mit internationalen und arabischen Kanälen verzeichnet, zusätzlich gibt es Bloomberg, Al Jazeera, Deutsche Welle, United Nations TV oder France24 – die Auswahl ist fundiert und eindrucksvoll. Wer mehr möchte, klickt auf “User added” und findet rund 4000 Fernsehkanäle aus aller Welt, die sich bequem nach differenzierten Genres, Sprache oder Heimatland selektieren lassen.
Dezember 29th, 2007 at 17:18
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